Handicaps mit Kommastelle? „Lächerlich!“

Michael Roll golft seit 38 Jahren. Er spricht über Parallelen zur Schauspielerei, zum Theater, über seinen Wunschpartner und sein 25jähriges Turnier-Jubiläum zugunsten traumatisierter Kinder.

Michael Roll / 23. Tabaluga Golf Cup der Michael_Roll_Stiftung zugunsten der Tabaluga Kinderhilfe / Golfclub Tutzing am Starnberger See / Abendveranstaltung in der Reithalle der Tabaluga Kinderstiftung in Tutzing / 2. September 2017 /  Foto: Agentur Schneider-Press/Erwin Schneider

Mit über 185 (!) TV-Filmen und Serien, u.a. im Tatort oder als Kommissar im 32-teiligen TV-Hit „Der König“, als Theater-Schauspieler und Synchronsprecher ist er nicht nur vielbeschäftigt, sondern einer der populärsten Schauspieler in  Deutschland. Auch beim Golfen gibt er mit Handicap 14 eine gute Figur ab. Ein Mann mit großem Herzen. Seine beste Rolle: die Bescheidenheit. Aber der Münchner mit Wohnsitz Tutzing am Starnberger See kann auch „rein hauen“…. Ein Interview zwischen Drehterminen und guten Taten:

Sie spielten schon Mitte der 80erJahre im „Tatort“, der heute immer noch ein TV-Renner ist. Wie hat sich Ihr Job verändert?

Alles wird schnelllebiger und kurzfristiger, wie in vielen Branchen.  Der Zeitdruck ist heute definitiv größer geworden, wir haben für den selben Film heute einfach weniger Drehtage zur Verfügung und die Vorbereitungszeit ist auch geringer geworden. Durch die Einführung und die hohe Qualität der digitalen Aufzeichnungsmöglichkeiten hat sich andererseits viel vereinfacht. Früher hatte man einen anderen Druck, weil man mit Filmmaterial arbeitete, das teuer war. Heute speichert man alles auf einen Chip und kann auch mal zwei oder drei Wieder-holungen mehr drehen. Früher musste man nach dem Dreh auch noch zwei, drei Tage warten, bis aus dem Kopierwerk das Negativ-OK kam. Dazu ein Beispiel: Ich muss einen Film mit Vollbart spielen, den nächsten aber wieder ohne – das war früher schwierig, weil man das Risiko einging, ob das Negativ auch in Ordnung ist…

Sind Live-Auftritte im Theater schwieriger als Film-Drehs?

 Drehen ist wie jeden Tag 20 Premieren zu haben. Beim Film spielst du die Szene und das Publikum bekommt es irgendwann zu sehen. Beim Theater probst Du erstmal sechs Wochen, erstellst mit den Kollegen eine Gesamt-Choreographie, die funktionieren muss. Da gibt es bessere und schlechtere Vorstellungen, geht auch mal was schief – Du kannst aber nicht unterbrechen, wenn du Dich mal versprochen hast…. Ich vergleiche das gerne mit Profi-Golfern, die auch ewig lange trainieren und dann genau auf den Punkt ihre beste Leistung abrufen müssen. Jedes Mal, Schlag für Schlag. Und das inklusive Pro-Am fünfmal die Woche…wie bei uns: Jedes Wort muss sitzen!

Golfern half in den letzten Jahren die ständig bessere Technik der Schläger, Schuhe und der Kleidung – und im Schauspiel?

Da auch. Was sich in den letzten Jahren technisch zum Beispiel bei der Entwicklung der Kameras getan hat ist schon eine riesige  Veränderung. Inzwischen gibt es bei Filmkameras Auflösungen, die so hoch sind, dass man sie schon wieder künstlich mit einem Grissel- oder Rauscheffekt versehen muss, damit man wieder einen etwas natürlicheren alten Look bekommt. Die Schauspielerei selbst hat sich nicht so verändert, nur die Bedingungen. Ich hatte Glück, bei mir hat sich vieles einfach ergeben und ich konnte mir nach meinen eigentlich Berufs-wunsch, Pilot zu werden, mit der Schauspielerei ein gutes Leben ermöglichen.

Sie haben den Pilotenschein, gehen Sie noch oft in die Luft?

Seltener als früher. Meist bei Sponsoren-Events wie unseren Golf-Turnieren, bei denen die Leute für den guten Zweck schon mal 50 oder 100 Euro zahlen, um mit mir über den Golfplatz zu fliegen. Aber dazu braucht man auch immer einen Sponsor…

Bekanntlich nutzen Sie Ihre ungebrochene Popularität auch mit Golfturnieren für soziale Zwecke. Was war der Anlass?

Ich spiele seit meinem 20. Lebensjahr Golf und irgendwann sprach mich Elmar Wepper an, ob ich nicht bei den Eagles mitwirken möchte, die mit  Turnieren für gute Zwecke viel Geld einbringen. Mitte der 90er Jahre habe ich dann mit Günter Strack  das SAT 1-Königsturnier erfunden, daraus entstand dann damit mein Tabaluga Golf Cup zugunsten von Kindern, die auf Grund schwieriger familiärer Verhältnisse oft sehr traumatisiert sind und denen wir mittlerweile im 25. Jahr helfen. Darauf bin ich etwas stolz.

Wie betrachten Sie denn den Golfsport generell….?

Der schwierigste Sport überhaupt! Du musst in einem winzigen Moment eine sehr komplexe und komplizierte  Bewegung richtig koordinieren und zeitlich und optisch genau auf den Punkt alles richtig machen. Deshalb habe ich so einen großen Respekt vor den Profis…Und es ist immer wieder faszinierend: Da kannst du über 300 Meter weit abschlagen, scheiterst aber an einem Halben-Meter-Putt. Beide Schläge zählen aber gleich viel. Golf ist aber auch die einzige Sportart, bei denen auch Amateure gutes Geld generieren können… gottlob gibt es ja landauf, landab viele Charity- oder Stiftungs-Turniere, bei denen viel Geld zugunsten derer gesammelt wird, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Durch den Golfsport sind noch viele Menschen bereit, anderen Menschen etwas abzugeben. Und auch viele Golf-Profis wie Tiger Woods, Sergio Garcia oder Ernie Els haben schon lange ihr eigenes Charity-Turnier zugunsten Bedürftiger – somit geht der Golfsport mit guten Beispiel voran und ist besser als jeder andere dafür geradezu prädestiniert. Im Tennis z.B. würde es nicht funktionieren, wenn ich gegen einen Profi spiele. Im Golf geht das…

Mit welchem Profi würden Sie denn gerne mal spielen?

Ehrlich gesagt lieber mit den alten als mit denen aus der jetzigen Zeit, die irgendwie alle so cool sind: Jimenez wäre sicherlich ein unterhaltsamer Golfpartner. Oder Daren Clark, Ian Woosnam – aber auch Tiger! Woods. Mit dem würde ich gerne mal spielen –  oder noch  lieber austauschen. Er hat den Golfsport meines Erachtens am meisten positiv verändert. Ich betrachte immer wieder erstaunt, wie sehr sich Spieler wie Mickelson oder McIlroy, die früher eher schmächtig waren, körperlich zu Athleten verändert haben bzw. verändern mussten, um mitzuhalten. Früher hatten ja viele der Superstars einen Bauch…

Und was finden Sie am Golfsport nicht so toll…?

Wenn Sie mich schon fragen: Dem ganzen Handicap-System, besonders bei uns in Deutschland,  wird viel zu viel Bedeutung beigemessen. Wie bei unserer deutschen Bürokratie-Wut… In der ganzen anderen Golf-Welt sagt man: Go out and have fun – nur bei uns wird erst nach dem Handicap gefragt. Und auch auf den Club-Terrassen ist das Handicap offenbar wie die Bibel. Aber am Schlimmsten ist das mit der Kommastelle – einfach lächerlich…!

Stimmen Sie zu, dass man beim Golfen die Seele der anderen Menschen am besten „lesen“ kann?

Absolut. Ich sage immer: Jeder Psychiater sollte mit seinen Patienten nur mal ein paar Löcher gehen, dann weiß, wen er vor sich hat und welche Probleme der hat. Im Golfen lässt man schnell die Hosen runter…

 Interview: Conny Konzack