Golfpark München-Aschheim: Golf mit Behinderten

- Von Corinna Binzer -

Begeisterter Flight beim 1. Golfcup Medien und Behinderte: Dr. Philipp Pilz („Golf hilft den Behinderten“), Journalist Herbert Jung, Rollstuhlfahrer und BGC-Sportwart Christian Nachweis, Ernst Peitinger und Aschheim-Geschäftsführer Jochen Hornig. Fotos: Herbert Wirtz

Begeisterter Flight beim 1. Golfcup Medien und Behinderte: Dr. Philipp Pilz („Golf hilft den Behinderten“), Journalist Herbert Jung, Rollstuhlfahrer und BGC-Sportwart Christian Nachweis, Ernst Peitinger und Aschheim-Geschäftsführer Jochen Hornig. Fotos: Herbert Wirtz

Ein Witz mit einem Bart, so lang wie ein Par 5, ist folgender: Frage: „Dein Handicap?“ Antwort: „Meine Frau“. Ja, selten so gelacht.  Ich war sehr neugierig, als Fedrah Sayegh und Conny Konzack zum Medien-Cup gemeinsam mit Behinderten in den Golfpark Aschheim einluden. Die Pressekonferenz vorweg war sehr spannend, aufschlussreich und beeindruckend. Schon da war mir klar, dass es ein ganz besonderer Tag werden würde. Behinderten-Golf ist in folgende Kategorien eingeteilt: Sehbehinderung, geistige Behinderung, Armbehinderung, Beinbehinderung, Gehörlose und Rollstuhlfahrer.

 Bernd Walsch, blinder Vizepräsident des Behinderten Golfclubs, mit seinem Helfer im Bunker.


Bernd Walsch, blinder Vizepräsident des Behinderten Golfclubs, mit seinem Helfer im Bunker.

Ich habe eine weile am ersten Abschlag zugesehen unter anderem dem durch einen Zeckenbiss erblindeten Bernd Walsch, Vizepräsident des BGC aus Berlin. Er wird von seinem Caddie zum Abschlag geführt, dieser teet ihm den Ball auf, und richtet dann den Driver hinter dem Ball aus. Noch ein kurzes „bisschen weiter links“, dann ein „Gib Gas“ und Bernd haut einen Abschlag raus, den man sich als Sehender nur wünschen könnte. Bernd sagt, dass Golf für ihn viel einfacher geworden sei, weil er sich keinen Kopf mehr um Hindernisse macht – er sieht sie ja nicht mehr. Was für ein Humor.

Sepp Beck und ich bildeten zusammen mit dem geistig Behinderten Curt und dem Rolli-Fahrer Heinz ein Team. Heinz wurde von seiner Frau begleitet, sie teet ihm auf und holt den Ball aus dem Loch und zu gegebener Zeit geigt sie ihm auch ordentlich die Meinung, dass er nicht so lasch putten soll. Alles in einem wunderbar angenehmen schweizer Dialekt. Dabei ist Heinz für mich schon jetzt der Putt-Meister schlechthin. Wir trampeln mit unseren gesunden Füßen gerne das ein oder andere Mal in Putt-Linien anderer – Heinz hingegen berührt mit seinem Spezialrollstuhl nicht mal eine der drei anderen. Curt hat einfach nur Spaß auf dem Golfplatz. Er haut die Kugel weiter als ich sehen kann und freut sich unglaublich darüber. Sein Vater begleitet ihn, weil er für ihn zählt und schreibt. Curt findet alle verloren gegangenen Bälle und noch welche dazu und er verteilt zwischendurch Nackenmassagen, so dass alle Flightpartner wieder locker weiterspielen können.

Ich habe Golf das erste Mal erlebt, wie noch nie zuvor. Wie Conny so schön sagte: Erlebnis vor Ergebnis. Ich habe mich kein einziges Mal geärgert, obwohl da einige Schläge dabei waren, die es herausgefordert haben. Ich war einfach nur beseelt bei strahlendem Sonnenschein eine solche Erfahrung machen zu dürfen. Es ist für mich Ehrensache, am 11. und 12. Juli in Aschheim dabei zu sein und meine neu gewonnen Golffreunde bei den Internationalen Bayerischen Meisterschaften der Behinderten zu unterstützen. Ich kann nur jedem gesunden Golfer und Nichtgolfer ans Herz legen vorbeizukommen, diese Stimmung, diese Freude und dieses Können der Behinderten mitzuerleben. Ich bin sicher da, habe dem Curt schließlich versprochen, ihn an seinem Geburtstag als Zuschauerin zu bejubeln!